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Mit dem Beginn des neuen Jahres sind die geopolitischen Risiken nicht von der Bildfläche verschwunden. Sie halten den tendenziellen Sinkflug des Ölpreises in Schach, welcher sich aus dem sich abzeichnenden Überangebot für das laufende Jahr ableitet.

Rohöl befindet sich weiterhin im Spannungsfeld zwischen erhöhten geopolitischen Risiken und steigenden Lagerbeständen. Nach wie vor sieht sich der Markt in den kommenden Monaten mit einer regelrechten Ölschwemme konfrontiert. Höhere Fördermengen aus Venezuela und ein steigender Ausstoss andernorts könnten laut dem Analysten dazu führen, dass sich die Preise im ersten Quartal im Bereich von 50 Dollar bewegen. 

Die Anleger versuchen, die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen der Entwicklungen in Venezuela zu bewerten. Wenige Tage nachdem Maduro festgenommen worden war, forderte der amerikanische Präsident Trump, dass Venezuela den USA uneingeschränkten Zugang zu seinem Ölsektor gewährt. US-Beamte erklärten, Washington werde die Ölverkäufe und -erlöse des Landes auf unbestimmte Zeit kontrollieren. Rund 20 Führungskräfte aus der Ölbranche sprechen mit Trump und Spitzenbeamten über den Wiederaufbau des Energiesektors in Venezuela. Zu reden gibt unter anderem die Vermarktung von bis zu 50 Mio. Fass Öl, die die venezolanische staatliche Ölgesellschaft PDVSA aufgrund der Sanktionen und der Tankerblockade in ihren Lagern angesammelt hat.

Marktthema Nummer eins bleibt also weiterhin die Entwicklung in Venezuela, die Anleger blicken aber zusätzlich auch auf den Iran, wo sich die politische Lage zuspitzt. In fast allen grossen Städten Irans drängen die Menschen auf die Strasse und protestieren gegen das Mullah-Regime. Der amerikanische Präsident hat seine Drohungen gegen den Iran bekräftigt, «hart» durchgreifen zu wollen, sollte das Regime während der anhaltenden Unruhen Demonstranten töten. Zudem scheint Trump ein parteiübergreifendes Sanktionsgesetz gegen Russland zu unterstützen, über das der Kongress bereits in der kommenden Woche abstimmen könnte. Die Massnahme zielt darauf ab, Käufer russischen Öls zu belangen, darunter vor allem China und Indien.